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Das Interview

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Austrofred
Die Geschichte von der zweiten Zehe

Interviewt von Nina Lindschinger

 

 

Du wirst als Multitalent und „Tausendsassa“ bezeichnet…

Ja, vor allem von mir selber.

…Ist soviel Talent nicht manchmal langweilig?

Man kann sich ja dann eindämmen und das nicht mehr
machen, was einen gerade nicht mehr so freut. Zum
Beispiel freut mich grad das Schreiben sehr. Da kann ich alleine daheim sitzen, das find ich super.

Welche Talente würdest du gerne noch ausleben?

Eigentlich habe ich in künstlerischer Hinsicht ja schon
alles entdeckt. Aber vielleicht einmal ein großes zusammenhängendes Werk komponieren. Eine Oper, ein Musical...Schwimmen könnte ich auch einmal lernen.

Der Austrofred hat nie schwimmen gelernt?

Nicht gscheit. Nicht im See.

In England wurde einer Teilnehmerin von „Britain‘s got talent“ angeboten, in einem Pornofilm mitzuspielen. Wär das für dich ein weiteres Standbein?

Ja, da hat es sogar schon Anfragen gegeben, beziehungsweise auch eigene Pläne. Im Hinterkopf hab ich’s, weil Bedarf ist ja auch da.

Der Bereich „Erotik“ auf deiner Homepage scheint
aber nie fertig zu werden. Seit Jahren heißt es dort „under construction“.

Da beschweren sich die Leute schon lange. Aber vielleicht machen wir in der Richtung ja auch eine Art Bezahlhomepage, wo man dann spezielle Fotos von mir sieht. Mit einem Jahresabo, wo man 70 Euro zahlt oder so und dafür hat man auch a bissl was anderes noch.

Das weibliche Publikum wird sich freuen…

Teilweise auch das männliche…

Bei deinen Auftritten bist du sehr aufwändig gekleidet. Was war das hässlichste Kleidungsstück, das du je auf der Bühne getragen hast?

Da gibt’s nix! Was Hässliches? Ich weiß nicht, ob mich
nicht vielleicht der ORF mal in was Hässliches hineingesteckt hat. Aber meine Kostüme passen ja perfekt.

Machst du deine Kostüme selbst?

Ich hab da einen eigenen Schneider im Kompetenzzentrum, den Mitter Klaus. Und der schneidert die eigentlich selber, ja.

Verwendest du die dann auch mal privat?

Ja sicher. Ich zieh das ja auch gern an. Das sind meine
liebsten Stoffe, Seide und enger Lackstoff.
Du trägst deine Kostüme gerne körperbetont.

Was ist der schönste Körperteil vom Austrofred?

Meine Zehen vielleicht. Das sagen mir zumindest immer
wieder die Menschen. Die Zehen sind schon was Besonderes. Ich habe nämlich eine sehr lange zweite Zehe. Da heißt es ja immer, das ist die Künstlerzehe.
Ich hab mal gelesen, eine lange zweite Zehe würde für
Intelligenz stehen. Damit bin ich natürlich auch zufrieden. Auf jeden Fall ist bei mir die zweite Zehe fast einen Zentimeter länger als die erste. Sehr außergewöhnlich.

Du bist auch Produzent und Hauptdarsteller diverser Fitnessvideos. Wie hältst du deinen Alabasterkörper fit?

Wenn man oft auf der Bühne steht, ist das ja höchstgradiger Sport. Auch wenn es mir mein Arzt nicht glauben will. Und natürlich wärme ich mich vor dem Konzert auf, das ist sehr wichtig, damit man sich nicht irgendwie verreißt. Mir ist das einmal passiert, dass ich von der Bühne hinuntergesprungen bin, und da war eine Bierlatschn – war auch eine eher ländliche Veranstaltung – und da bin ich dann ausgerutscht und hab mir das Bandl gezerrt. Seitdem wärme ich mich immer brav auf.

Viele sind vor allem von deinem Schnurrbart fasziniert. Juckt der auch manchmal?

Ja sicher. Ja klar. Das ist ja dann auch das, was die Damen so schätzen.

Es juckt also eher die Damen als dich selbst?

Ja genau. Obwohl manchmal steht ein Haar so blöd
heraus, dann kitzelt’s mich im Nasenloch. Das sollte man nicht glauben eigentlich, was das oft für Probleme macht. Es ist mir schon zwei-, dreimal so gegangen, dass ich während dem Konzert kurz hinter dem Vorhang verschwunden bin und schnell mit dem Nasenhaarentferner reingefahren bin. Sonst juckt’s die ganze Zeit und dann muss ich immer husten, gerade wenn meine besten Texte kommen.

Und auf die Damenwelt wirkt so ein Schnauzer
besonders attraktiv?

Eigentlich schon, ja. Früher musste ich mich oft auslachen lassen. Aber mittlerweile bin ich draufgekommen, dass so ein Schnauzer schon eine gewisse Faszination ausübt. Ich verstehe es ja nicht. Aber ich nehme dankbar diese Gefühle hin, die mir die Menschen entgegenbringen.

Schon mal überlegt, dir doch einen anderen Bart wachsen zu lassen?

Privat experimentiere ich da schon auch immer ein bisschen. Wenn ich einmal zwei Wochen Pause habe, dann lasse ich mir durchaus mal einen Vollbart stehen, oder nauch so einen Frank Zappa-Bart.

Für die Bühne wäre das nichts?

Auf der Bühne stehen die Leute auf den Schnurrbart und
den sollen sie auch kriegen. Aus marketingtechnischen
Gründen ist ja sowas auch ganz wichtig.

Wie würdest du generell die Resonanz auf deine Person beschreiben, vor allem auf deinen Konzerten?

Ich spüre immer das Leuchten in den Augen der Menschen, wenn sie mich auf der Bühne sehen. Ich fühle mich teilweise ein bisschen wie eine Vaterfigur für die Menschen. In diesen schwierigen Zeiten suchen die Menschen Halt und dann ist da der Austrofred, der ihnen sagt, wo es langgeht oder zumindest wo es langgehen könnte. Der ein gutes oder auch ein schlechtes Beispiel ist. Das gefällt ihnen.

Wird Austrofred irgendwann Bundespräsident?

Ich weiß nicht, ob mir ein politisches Amt so taugen
würde. Eher vielleicht der Kunststaatssekretär. Natürlich
nicht jetzt, da können schon noch zehn, 15 Jahre verstreichen. Aber das wäre schon ein Amt, wo ich interessante Sachen einbringen könnte. Allerdings müsste man das wieder abkoppeln vom Bildungsministerium. Den Stress mit den Lehrern tu ich mir nicht an.

Was würdest du einbringen?

Weit höhere Förderungen für die Rockmusik! Auch für
andere Kunstrichtungen natürlich. Und eine Frühbildung
für den Musikanten. Es gibt ja überhaupt keine hinkomme und es kennt keiner den Austrofred. Früher
bin ich durchaus auch mal aus dem Fenster geflohen. Das gehört einfach dazu. Was ich schlimm nehme ist, wenn ich selber irgendwas richtig vergeig’.

Der Champion patzt auf der Bühne?

Das sind oft so technische Sachen, die man als Junger
nicht so weiß. Dass man zum Beispiel vor dem Konzert
nicht mehr zu viel essen sollte, weil man sonst einfach
zu träge ist. Oft fällt’s den Leuten eh nicht auf, aber ich
selber kann mich dann sehr ärgern.

Du kombinierst Queen-Songs mit Austropop-Texten. Welches Austropop-Lied beschreibt dich am besten? „Stark wie ein Felsen“?

Nein, glaub ich nicht. Am besten zu mir und meinem Lebensweg passt wahrscheinlich „Go, Karli, go“. Ich würd aber nicht sagen, dass das jetzt auch mein Lieblingslied ist.

Wie finden echte Queen-Fans das, was du machst?

Es hat schon hin und wieder das Missverständnis gegeben, dass Leute geglaubt haben, das ist eine Verarschung. Aber in Wirklichkeit sieht jeder, der in die Show kommt, dass das nicht so ist. Es ist dann sogar eher so, dass die Leute vom Queen-Fanclub bei mir in der Show stehen, mit Tränen in den Augen.

Wie gehst du mit Kritik in den Medien um?

Da trifft mich eher der kühle Boykott von Ö3. Das ist
sicher das Härteste für jeden Musiker.
Du bist ja nicht der einzige österreichische Künstler,
der unter dem Boykott von Ö3 leidet.

Wär eine Quote für österreichische Musik die Lösung?

Das ist ja ganz schwierig. Eigentlich müssten sie das
selber wissen, wenn sie ein bisschen einen Hausverstand hätten, die Herrschaften. Auf der anderen Seite kann man ja keinen Radiosender machen und nur österreichische Musik spielen. Die Bildung muss ja auch über den Tellerrand hinaus funktionieren.

Was macht der Austrofred in der Pension?

Pension wird’s wahrscheinlich keine geben. Jeder Bühnenmensch geht ja nicht freiwillig ab. Wenn ich mir den Fritz Muliar anschau – der hat ja bis kurz vor seinem Tod noch in der Josefstadt gespielt. Ich glaube, das wird bei mir auch so ähnlich werden. Wahrscheinlich wird sich
das Programm ein bisschen verändern, aber den Jubel der Menschen, den Kontakt zu den Fans, das werde ich immer brauchen.

Wie soll man sich an dich erinnern?

Positiv natürlich. Vielleicht, wenn ich da einen eigenen
Wunsch äußern darf, mit einem Ehrengrab am Zentralfriedhof. Aber ein schöneres bitte als das vom Falco, weil das ist leider ein bisschen misslungen. Was mir aber gut gefällt ist, dass da am Grab ein paar von seinen großen Hits draufstehen. Wenn bei mir am Grabstein mein größter Hit „Eich Dodln gib i Gas“ draufsteht, einfach so als Message für die Hinterbliebenen, würde mir das schon gefallen

 

   
   
     
     
 

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