Das Magazin Die Interviews Noch Fragen?

Das Interview

Das Interview

   

 

Gerhard Dörfler
„Das ist kein Freispruch für'n Jörg “

Interviewt von Wolfgang Zwander

 

 

Außerhalb von Kärnten werden Sie oft als Witzfigur wahrgenommen. Kränkt Sie das?

Nein, weil das eine vollkommen oberflächliche Diskussion ist. Wenn Michael Häupl irgendeinen lockeren
Spruch loslässt, redet jeder vom Stadtfürsten, der einen
eigenen Stil hat. Wenn Gerhard Dörfler das Gleiche tun
würde, behaupten viele, er sei ein Witzepolitiker.

Warum gibt es diesen Unterschied?

In Wien gibt es eine Verhaberung auf politischer Ebene,
von der auch die Medien betroffen sind. Ein Betriebsunfall wie ich passt da einfach nicht ins System.

Wie erklären Sie sich den Unterschied zwischen dem Image Kärntens und dem der anderen Bundesländer?

Jedes Bundesland hat das Recht auf seine Eigenheiten.
Tirol ist Tirol mit Andreas Hofer, die Steirer, über die ja
auch Witze gemacht werden, sind ein sehr sympathisches Nachbarbundesland, und von den Vorarlbergern denkt ohnehin mancher, dass sie zu weit hinterm Arlberg leben. Das macht Österreich spannend.

Trotzdem sticht Kärnten unter den Bundesländern immer wieder als Sonderfall hervor. Nicht zuletzt wegen der guten Wahlergebnisse für das BZÖ.

Darauf sind die Kärntner ja auch sehr stolz. Man könnte
Kärnten als eine schöne, spannende Frau bezeichnen.
Kärnten ist vielleicht die sonnige Diva Österreichs, die
ganz speziell beäugt und manchmal auch falsch beurteilt
wird. Über schöne Frauen wird einfach viel gesprochen.

Befürchten Sie manchmal, dass Ihnen Jörg Haiders Schuhe zu groß sein könnten?

Meine Schuhe will und kann ich nicht mit denen
von Jörg Haider messen. Haider war ein sehr cleverer
Ausnahme-Politiker, der vor allem mit den Medien sehr
gut umgehen konnte. Allerdings bin auch ich in den
vergangenen zwei, drei Jahren bei den medialen Namensnennungen immer unter den ersten dreißig Politikern in
Österreich gereiht.

Es gab immer wieder Gerüchte, dass Sie für Haiders Geschmack zu oft in den Medien vorkamen.

Das sind Erfindungen von Schreibphilosophen.

Neben Haider durfte doch niemand groß werden.

Die Wahrheit ist, ich entwickelte mit Haider die Strategie, konsequent in das Spektrum der sozialistischen Wähler hineinzuarbeiten. Als Arbeiterkind war ich Haiders Mann, um in das SPÖ-Lager einzudringen. Viele sozialistische Spitzenpolitiker wollten mich abwerben und haben mir dafür sogar den Posten des Landeshauptmanns in Aussicht gestellt.

Wie sehen Sie die Zukunft des BZÖ?

Mit Josef Bucher haben wir die Weichen bundespolitisch
sehr klug gestellt. Bucher ist ein absoluter Gegenpol zu
diesem Politrambo Strache, und ich fühle mich äußerst
wohl in einer politischen Bewegung, die den rechten
Rand weit weg geschoben hat. Dort kann sich der Herr
Strache austoben.

Sie haben in einem Interview zum Tod Haiders gesagt, er habe niemanden gefährdet. Was wenn ein anderer Verkehrsteilnehmer
Jörg Haiders Todesfahrt gekreuzt hätte?

Es ist traurig genug, dass Jörg Haider dort sein Leben
verloren hat. Und ich bin heilfroh, dass dabei niemand
anderer zu Schaden gekommen ist.

Was aber wäre gewesen wenn?

Das ist Philosophieren. Als Verkehrsreferent ist mir jeder Unfall einer zu viel. Aber ich weiß auch, dass sich viele nicht an die Regeln auf der Straße halten. Das ist kein Freispruch für’n Jörg, aber die sollen jetzt nicht mit dem Finger auf ihn zeigen.

Jörg Haider ging auch in dieser Nacht bis ans Limit. Passt dieser Tod zu einem, der immer ein Grenzgänger war?

Ich formuliere es so: Helden dürfen offenbar nicht alt
werden. Ob James Dean, Elvis Presley, Falco. Helden sind wohl auch Helden, weil sie letztendlich kein hohes Alter erreichen. Warum das so ist, kann ich nicht beantworten, aber das trifft durchaus auch auf Jörg Haider zu

 

 

   
   
     
     
 

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