Das Magazin Die Interviews Noch Fragen?

Das Interview

Das Interview

   

 

Herbert Hoffmann
„Lebendiger kann Kunst nicht sein “

Interviewt von Nina Lindschinger

 

 

Gibt es eine Stelle an Ihrem Körper, die nicht tätowiert ist?

Gesicht und Kopf

Können Sie sich noch an Ihre erste Tätowierung erinnern?

Sehr gut sogar. Als ich 1949 aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft nach Hause gekommen bin, hatte ich einen sehr großen Nachholbedarf. In Hof an der Saale vermittelte mir ein tätowierter Straßenkehrer einen Amateurtätowierer, von dem ich meine ersten Tätowierung bekam.

Wie viele haben Sie insgesamt?

Viele hundert.

Welches Ihrer Tattoos bedeutet Ihnen am meisten und warum?

Ein Glaube-Liebe-Hoffnung-Motiv, [Anm.: Kreuz – Herz – Anker] wie es ein väterlicher Freund hatte, der mir in der Kriegsgefangenschaft sehr zugetan war.

Was macht für Sie die Faszination des Tätowierens aus?

Sie ist mein Leben.

Wie hat das angefangen mit dem Tätowieren?

Schon mit elf Jahren habe ich tätowierte Menschen bewundert. Sie waren meine Vorbilder. Ich wollte auch so werden und so sein, wie sie es waren.

Was haben Ihre Freunde und Ihre Familie gesagt, als sie ins Tattoo-Geschäft eingestiegen sind?

Da fast alle Freunde selbst tätowiert waren, waren sie von meinem Entschluss sehr angetan und haben mich unterstützt. Auch meine Brüder haben mich und meinen Beruf vollkommen toleriert. Nur meine Schwester nannte mich anfangs verrückt, bis sie aufgrund meines Erfolges mich und meinen Tätowierberuf akzeptierte. Mein Vater war hellauf begeistert, sodass ich sein Lieblingssohn wurde.

Was braucht man, um ein guter Tätowierer zu werden?

Lust, Liebe, Leidenschaft; Kunst und Können. Man braucht auch eine Bereitschaft zum Dienst am Menschen. Der Tätowierer darf sich nicht scheuen, Diener seiner Kunden zu sein.
Voraussetzung sind außerdem eine große Begeisterung und passionierte Hingezogenheit zu diesem Metier.

Hat sich die Kundschaft im Laufe der Jahre verändert?

Immer mehr Menschen aus gehobenen Gesellschaftsschichten finden Gefallen an Tattoos. Sie ist mit dem Fortschritt der Tätowierung auch anspruchsvoller geworden.

Was mögen Sie an Ihrem Beruf am liebsten?

Mit jeder Tätowierung bereite ich meinen Kunden sehr große Freude, die zu mir zurückkehrt.

Haben Sie sich schon einmal verschrieben oder ver-tätowiert?

So etwas sollte nicht passieren, ist mir aber doch schon einmal unterlaufen, als ich in einem langen Vers einen Buchstaben ausgelassen habe.

Welches war das verrückteste Tattoo, das Sie je gestochen haben?

Unter den Namen der untreuen Freundin "IST DOOF" zu setzen.

Gibt es Motive oder Körperteile, die Sie nicht tätowieren würden?

Das Gesicht, weil das in unserem Kulturkreis einfach noch sehr ungewöhnlich ist.

Was sollte man tun, wenn man sich tätowieren lässt und das Tattoo wirklich misslingt?

Am Besten mit einem geeigneten besseren Tattoo überdecken.

Gut oder schlecht, dass man heute schon eher auffällt, wenn man keine Tätowierung hat?

Das Auffallen hängt eher von der Person als von den Tätowierungen ab. Ich habe keine negativen Erfahrungen mit meinen Mitmenschen erlebt. Durch meine sehr auffälligen Tätowierungen, zum Beispiel auf den Händen, habe ich mit fremden Leuten viele nette Unterhaltungen geführt und viele gute Freunde gewonnen.

Hätte man den Laser, mit dem man Tätowierungen wieder entfernen kann, besser nie erfinden sollen?

Nützliche Erfindungen sind segensreich, auch die des Lasers.

Welche Tätowierung möchten Sie in Ihrem Leben gerne noch stechen bzw. welche möchten Sie selber noch gerne an Ihrem Körper haben?

Meinen "Hoffmannschen Adler", der sich von Schulter zu Schulter über die ganze Brust erstreckt.

Wie wird sich das Tattoo, oder die Tätowierkunst, in den nächsten Jahren entwickeln?

Das Tätowieren wird mehr und mehr zur Kunst werden. Der Tätowierkünstler benutzt das kostbarste Material: die lebende menschliche Haut. Noch lebendiger kann Kunst nicht sein!

 

 

   
   
     
     
 

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