Das Magazin Die Interviews Noch Fragen?

Das Interview

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Mirna Jukic
Fräulein Mirnas Gespür für Wasser

Interviewt von Nina Lindschinger

 

 

Wie gemütlich ist so ein Ganzkörperanzug?

Gar nicht. Der ist nämlich ein paar Nummern kleiner, als ein normaler Badeanzug. Das muss alles sehr eng sein. Deshalb zieht man den auch relativ knapp vor dem Rennen an und danach sofort wieder aus.

Wie lange dauert es, so einen Anzug anzuziehen?

Das hängt davon ab, ob er ganz neu ist, oder ob man ihn schon ein-, zweimal angehabt hat. Aber es dauert schon zwischen zehn Minuten und einer halben Stunde.

Müssen Schwimmer immer noch rasiert sein, oder hat sich das durch die Ganzkörperanzüge erledigt?

Das Rasieren ist vor allem bei den Männern wichtig, Frauen rasieren ja sowieso. Es gibt ein besseres Gefühl und sonst kommen ja die Haare durch den Anzug durch. Man fühlt den Anzug und das Wasser einfach besser.

Also gibt es schon so etwas wie ein Wassergefühl?

Als Laie würde man ja sagen, Wasser ist Wasser.
Und als Schwimmer ist man sehr vom Wassergefühl abhängig. Je besser dein Wassergefühl ist, umso besser liegst du im Wasser und umso besser kannst du auch schwimmen.

Ist das angeboren oder kann man das trainieren?

Manche lernen es schneller, manche brauchen ein bisschen, aber das kommt alles durchs Training. Man muss sich mit dem Wasser anfreunden und man muss spüren, wie es am Körper liegt.

Was macht für dich die Faszination am Schwimmen aus?

Am Anfang war es eigentlich nur ein Spiel. Etwas, das man neben der Schule macht. Mittlerweile mache ich es schon so lange. Das Faszinierende ist für mich, dass man an die eigenen Grenzen gehen kann und dass man jedes Mal versucht, sich selbst zu besiegen.

Daniela Iraschko, Österreichs beste Skispringerin, verdient pro Wettkampf 300 Euro. Wie lukrativ ist der Damen-Schwimmsport?

Man kann vom Schwimmen nicht leben. Man kann höchstens so gut sein, dass man relativ gute Sponsorenverträge bekommt. Von denen könnte man vielleicht, wenn man genug gespart hat, nach der Karriere zwei, drei Jahre leben. Aber mehr auch nicht. Es ist ein schönes Taschengeld nebenbei. Man freut sich immer, wenn man etwas gewinnt, weil man für die harte Arbeit belohnt wird. Natürlich wär es schöner, wenn es anders wäre, aber es wundert mich nicht.

Es sind aber wahrscheinlich mehr als 300 Euro, die man beim Schwimmen verdient?

Das ist unterschiedlich. Es gibt sehr viele Wettkämpfe, bei denen es überhaupt kein Preisgeld gibt. Oft bekommt man gar nichts oder vielleicht nur eine Badehaube als Geschenk.

Was ist deine Motivation, wenn es nicht das Geld ist?

Wäre es mir darum gegangen, hätte ich wahrscheinlich eine andere Sportart gemacht. Es ist mein Element, mein Leben, und ich mache das gerne. Ich bin der Meinung, dass ich noch nicht an meine Grenzen gekommen bin und dass ich noch etwas erreichen kann. Das Geld ist eine schöne Begleiterscheinung und es wird sich in Zukunft Gott sei Dank noch ein bisschen steigern.

Wirst du dann vielleicht doch irgendwann vom Schwimmen leben können?

Vielleicht kann man in 20 oder 30 Jahren vom Schwimmsport leben. Ich werde das wahrscheinlich nicht aktiv erleben. Wenn das Geld die Motivation ist, irgendeine Sportart auszuüben, dann ist man fehl am Platz. Es sind die Ergebnisse, es ist der Wettkampf, der dich eigentlich motivieren sollte. Wenn man dann Geld gewinnen kann, ist es natürlich umso schöner.

Richtig Geld kann man also nur mit Sponsorenverträgen machen. Wie wichtig ist ein vorzeigbares Äußeres, um solche Verträge zu bekommen?

Es hängt davon ab, wo man sucht. Ich hatte bisher das Glück, dass meistens Firmen Interesse hatten und mich oder meinen Manager angesprochen haben. Es war nie so, dass ich darum betteln musste.

Hast du das Gefühl, dass du für deinen sportlichen Erfolg das ästhetische Ideal unserer Zeit aufgeben musstest?

Nein, überhaupt nicht. Ich bin zufrieden, so wie ich bin. Ich finde, dass meine Schultern im Gegensatz zu denen von 90 Prozent aller anderen Schwimmerinnen, relativ in Ordnung sind. Was heutzutage als Ideal gilt, ist eigentlich schlecht für unsere Gesellschaft.

Du würdest also nichts an dir ändern wollen?

Eine sportliche Figur ist doch viel besser, als so eine abgemagerte. Wir arbeiten hart genug, und solange wir keine aufgeblasenen Muskelprotze sind, vor allem die Mädchen, ist alles schön und gut.

 

 

   
   
     
     
 

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