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Das Interview

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Hans Krankl
„Ich darf als einziger über die Wiener schimpfen"

Interviewt von Alexander Klein und Wolfgang Zwander

 

 

Marc Janko war in dieser Saison knapp dran, Ihren Torrekord von 41 Bundesligatoren in einer Saison zu brechen. Dann hat er es aber doch nicht geschafft. Freut Sie das?

Nein, Rekorde sind da, um gebrochen zu werden. Und
ich hatte und habe so viele Rekorde: Ich habe in der
Nationalmannschaft gegen Malta sechs Tore in einem
Spiel geschossen. Ich habe für Rapid sieben Tore gegen
den GAK geschossen. In einem Derby gegen die Wiener
Austria habe ich beim Vier zu Null alle Tore erzielt. Die
ganzen Rekorde, die ich habe, sind super. Aber eigentlich is ma des wurscht.

Spätestens seit Ihren zwei Toren gegen Deutschland in Cordoba sind Sie eine der ganz großen österreichischen Heldenfiguren.
Wie lebt es sich in dieser Rolle?

Ich bilde mir nichts darauf ein, ich bin nicht arrogant.
Wenn mich jemand, der halbwegs normal ist, auf der
Straße anspricht, rede ich mit ihm. Wenn er ein Trottel
ist, habe ich auch die richtige Antwort für ihn.

Wann haben Sie zum ersten Mal bemerkt, dass Sie berühmt sind?

Wahrscheinlich, als mich ein Kind nach einem Autogramm gefragt hat. Das ist super. Kinder habe ich nie weggeschickt, das kann und werde ich nie machen.

Sie gelten als sehr patriotischer Österreicher. Ärgert es Sie, wenn der Patriotismus von manchen Politikern missbräuchlich für ihre eigenen Zwecke genutzt wird?

Politisch braucht ihr mich nichts zu fragen, weil politisch
interessiert mich eigentlich gar nichts in diesem Land.

Sind Sie Patriot?

Natürlich bin ich ein Patriot. Überall, wo ich bin, bin ich
stolz auf mein Land. Als ich als kleiner Österreicher nach Spanien gekommen bin, haben sie mich gehäkelt und gesagt, dass ich nur Mozart habe und sonst nichts. Da habe ich gesagt: Ihr seids lauter Trotteln, seids froh, dass ich da bin. Weil ich als klaner Österreicher schiass euch die Tore, dass ihr gwinnts. Ich werde Österreich überall verteidigen, egal wo ich bin. Noch stolzer bin ich aber, Wiener zu sein. Ich als Wiener darf als einziger über die Wiener schimpfen und sagen, was wir manches Mal für griesgrämige Trotteln sind. Ich selber bin manchmal auch griesgrämig, dann bin ich ein richtiger Ungustl und zerfließe in Selbstmitleid, das zeichnet die Wiener aus. Aber ich arbeite daran, mich zu bessern.

Haben Sie im Ausland schon einmal schlechte Erfahrungen gemacht, weil Sie Österreicher sind?

Nein, überhaupt nicht. Ich höre zwar immer wieder, dass so etwas vorkommt, aber ich habe es noch nie erlebt. Aber es ist auch besser so, weil sonst gäbe es große Probleme mit mir. Ich würde unseren Ruf immer verteidigen, das ist so.

Was gefällt Ihnen an Österreich besonders gut?

Das ist mein Land, da bin ich aufgewachsen. Ich bin von
Wien bis Bregenz stolz auf Österreich. Ich war Trainer in Salzburg und Linz und überall haben sie mich gern. Ich habe also eh schon alles bereist, beruflich. Ich bin auf die Wiener vielleicht etwas stolzer als auf die Kärntner, so wie du einer bist. Aber du bist ja sicher auch am stolzesten auf dein Heimatland.

Der Fußball zieht auch viele Legionäre aus aller Welt nach Österreich. Ist das gut?

Ein Verein sollte schon schauen, dass er keine reine Legionärstruppe ist. Aber ansonsten ist das okay, im Fußball gab es schon immer Legionäre.

Und wenn ein Ausländer nicht wegen des Fußballs nach Österreich kommt, was sagen Sie dazu?

Wenn Leute bei uns arbeiten wollen, warum denn nicht?
Es gibt Italiener auf der ganzen Welt, und sind wir nicht
froh darüber? Wenn ich in New York in die Pizzeria gehe, habe ich meine Freude. Ich liebe Hamburger, aber ich kann in Amerika nicht einen Monat lang nur
Hamburger essen. Wenn ich das machen würde, wäre ich bald so fett (deutet mit den Händen einen dicken Bauch an). Also möchte ich auch in New York zu einem Italiener gehen. Und der andere möchte vielleicht zu einem Asiaten gehen, das ist ja jetzt Mode. Aber mit dem kann ich gar nicht, wenn’s nur das geben würde, tät ich verhungern. Ich gehe zu meinem Italiener, in Amerika, in Spanien. Wenn Leute ins Ausland gehen, um dort zu arbeiten, ist das okay. Das kann und soll man niemand verbieten. Durch die EU gibt es ja das Recht auf die Wahl des freien Arbeitsplatzes, habe ich das richtig ausgedrückt?

Ja.

Ja oiso.

 

 

   
   
     
     
 

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